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Wie ein Buch entsteht: Protokoll zu „Allein“, Eintrag 12

Anfang Dezember 2015 stand also der erste neue Teil, wenn auch noch voller Tippfehler und mit einem leicht behebbaren Logikbruch, den ich am Ende ausbügeln werde. In dieser Zeit schwappte ein Lektoratsprojekt zu mir rein, für das ich mir bis Anfang Februar den Kopf freihalten wollte, so dass ich „Allein“ erstmal zur Seite legte. Ab und an dachte ich halbherzig darüber nach, wie ich den zweiten überarbeitungsbedürftigen Teil – die Indy-Story, Sie erinnern sich? – anpacken sollte.



So dachte ich z. B. ein Weilchen an einem kompletten Perspektivwechsel vom Ich-Bericht zur üblichen personalisierten Kamera (korrekter: personelle oder personale Erzählweise durch einen neutralen Beobachter) herum, aber mir wurde schnell klar, dass ich dann mit der Einordnung in die entworfene Struktur Probleme bekommen würde. Diese Struktur folgt ohnehin weniger zeitlichen Linien – vieles verläuft parallel zu oder vor später erzählten Passage –, eine Auftrennung des im Bericht des Indy-Begleiters zusammengefassten Ereignisse in „Echtzeit-Szenen“ würde das Chaos erheblich vergrößern. Davon, dass die Gewichte – also Längen – der einzelnen Kapitel nicht mehr ausgewogen ins System passen würden, ganz zu schweigen. Text ist eben eine Mischung aus Mathematik (präzis formulierte Inhalte) und Musik (Sound und Rhythmus) und ein Roman ist auch eine Sinfonie, nicht nur eine Abfolge von Handlungen.



Inzwischen habe ich übrigens entschieden, dass ich bei der Ich-Perspektive bleibe und nur den Adressaten des „Berichtes“ ändere. Das wird mir auch mehr Freiheiten im Tonfall ermöglichen, so dass ich den Teil hier und da entschlacken kann.
17.3.16 15:46


Wie ein Buch entsteht: Protokoll zu „Allein“, Eintrag 11

Das Planetenabenteuer der Ines Braun also … Ich wusste am Anfang nicht viel darüber, nur, dass es nicht so schnulzig wie die existierende Fassung sein dürfte. Außerdem musste die Sache mit der ersten Terraforming-Welle erklärt werden, so dass der verrückte Mhalm, der ja bestenfalls zur zweiten Welle gehört, nicht mehr als Bösewicht zur Verfügung stand. Ohne Plot legte ich los – wiedermal. Bei der Ursprungsgeschichte „Am Ende des Regens“ hatte das prima geklappt, später dann ja nicht mehr.

Ich nahm also die alte Szene von der Ankunft des Schiffes beim Planeten Kelton, begann zu ändern, als es schnulzig wurde, und hatte innerhalb kürzester Zeit ganz andere Figuren. Der neue John Harrison z. B. hat außer dem Namen nichts mehr mit dem alten gemein und Braun wird auch nicht mehr gnadenlos als Captain angehimmelt. Pfu! Das war schonmal geschafft. Nun die Braun auf den Planeten runterbugsieren. Nur wie? Alleingänge sahen ihr jetzt zwar immer noch ähnlich, allerdings nicht mehr so nach außen hin grundlose. Noch bevor mir das Dilemma richtig bewusst wurde, hatte ich schon die Antwort hingeschrieben: Es gibt ein Psi-Phänomen auf dem Planeten und Braun ist – zumindest offiziell – die Einzige an Bord, die in diese Hinsicht genug Begabung mitbringt, um sinnvoll agieren zu können.

Und genau in diesem Moment wusste ich es. Nicht nur, was Braun dort unten finden würde, sondern auch, was es in Wirklichkeit war und was es mit der ersten Terraformingwelle und all diesen komischen Energiekuppeln, die durch meine Bücher geistern, zu tun hatte. Und – und das hat mich fast selbst aus den Latschen gehauen – dass dies den Roman, ja eine ganze Ära innerhalb der Warén-Welt auf eine grandiose Weise runden würde. Was für ein Coup! Dafür liebe ich das Schriftstellern.

Endlich konnte die Neufassung wirklich losgehen. Anhand des Strukturgerüstes schrieb ich also, wie Ines Ridea trifft und wie dieser sie in die Psi-Sphäre führt, wie ein Erkunderteam eine Bibliothek der Mahlm findet und – bitte den Konflikt nicht vergessen! – wieso es auf Kelton als blasphemisch gilt, von Göttern zu sprechen. Das ganze ging mir recht flüssig von der Hand, auch wenn ich zwei-, dreimal Passagen löschen und neu ansetzen musste. Aber es ist geschafft. Und: Es hat sich echt gelohnt.
11.3.16 15:37


Wie ein Buch entsteht: Protokoll zu „Allein“, Eintrag 10

Bevor es losging mit dem Neumachen des Buches, mal kurz eine Zusammenfassung, was an der letzten Fassung funktionierte und was nicht:

Gut waren der Erzählstrang mit dem Insektoiden auf der Insel und die Klammer, die mit der Ankunft der Menschen in diesen Sektor beginnt und mit der geplanten Rückkehr des letzten der verschollenen Erkunder auf die GS Horizon endet. Gut war auch die Idee mit dem insektoiden Schatzsucher-Team.

Nicht gut war die sehr massive Auftrennung in zwei Bücher („vier Geschichten in zwei Büchern“ war ja die Struktur) und die damit einhergehende Reduktion der Klammer auf Prolog und Epilog. Dass die Ankerpunkte extrem hilfreich für das effektvolle Spannen dieses Bogens waren, hat das Schlusskapitel in „Tote Helden“ bewiesen. Wenn man die Zwei-Bücher-Struktur nun aufbrach und die Ankerpunkte – also die Passagen, die auf dem Föderationsschiff spielen – wieder einfügte, verlor ein Teil des Tagebuches seinen Sinn. Außerdem hatte ich hier mit einer Menge Füllstoff gearbeitet, um zeitliche Lücken zu schließen, und dieser Füllstoff – aber nicht nur er – hatte sich überlebt. Letzteres betraf zum einen den viel zu wattigen Tonfall und zum anderen den rosigen Inhalt, insbesondere was Ines Brauns Charakter als auch die Sicht anderer Figuren auf sie anging. Da letzteres nicht ganz verschwinden sollte, beschloss ich, John Harrison als einen Point of View beizubehalten.

Als nächstes musste ich mir Gedanken über die Struktur machen: Wie sollte der Ablauf der einzelnen Szenen aussehen, so dass am Ende ein harmonisches Ganzes entsteht, die einzelnen Stränge aber nicht zu sehr zerstückelt werden? Genau dieses Problem hatte ja damals zu der unseligen Zwei-Bücher-Lösung geführt.

Mitten in diesem Prozess des Aufbrechens und Neuordnens fiel mein Entschluss, mal ein Autorenprogramm zu probieren. Auch wenn ich solche Sortiervorgänge auch schon früher gut im Griff hatte, Word also eigentlich für mich ausreichte, empfinde ich heute das Programm Papyrus als sehr hilfreich in diesen Dingen. Und das, obwohl ich weiß Gott nicht die vollen Möglichkeiten ausschöpfe; allein schon die stichwortartige Übersicht über die Szenenabfolge, die links sichtbar gemacht werden kann, genieße ich.

Doch zurück zum Buch: Für die neue Struktur nahm ich als erstes den Ablauf des Insektoiden-Teiles, in dem ja bereits zwei Stränge miteinander verwoben waren. Vorn und hinten kamen Prolog und Epilog dazu, dann schaute ich mir an, wo das vorhandene Gewebe aufgetrennt werden konnte, um den anderen Elementen Platz zu machen. Was ich vom vorhanden Material nehmen konnte, fügte ich gleich ein, für das gesamte Planetenabenteuer der Ines Braun setzte ich lediglich Platzhalter. Und dann schrieb ich dieses Abenteuer …
18.2.16 14:48


Wie ein Buch entsteht: Protokoll zu „Allein“, Eintrag 9

Wieder verging Zeit. Ich brachte „Zweisam“ heraus, das seinen Titel in Anlehnung an „Allein“ erhielt, veröffentlichte „Tote Helden“ und mir wurde immer klarer, dass ich „Allein“ brauchte. Zum einen, um das Story-Gewebe zu komplettieren, vor allem aber, weil es noch ein offenes Problem gab. Und das hieß: Warum zum Teufel sind die Welten dieses Universums alle so erdähnlich?

Sie erinnern sich, dass ich die Rasse der Mhalm eingeführt hatte? Diese sehr alte Spezies aus dem „heutigen“ Hoheitsgebiet der Interplanetaren Föderation hatte sich auf dem Weg durchs All Siedlungsraum schaffen wollen, indem sie Planeten terraformte. Logischerweise ähnelt die Biosphäre jener Welten der der Mhalm. Identisch sind die Welten allerdings nicht: Auf manchen siedelten sich Mhalm an und entwickelten sich zu eigenen Völker weiter, andere Planeten blieben sich selbst überlassen und brachten – mitunter von dem Mhlam induziert – eigene intelligente Spezies hervor.

Es gibt aber auch erdvergleichbare Biosphären, die älter sein müssen. Insbesondere Planeten, deren Intelligenzen nicht „taschlenn“ (das ist ein Förderationsbegriff für unser „humanoid“) sind, hätten gar keine Zeit gehabt, sich nach dem Terraformingbeginn so abweichend zu entwickeln. Bei ein, zwei Welten hätte man von Ausreißern sprechen können. Aber bei so vielen? Und warum sind die Mhalm-Welten der Erde so ähnlich, warum wirken die Mhalm-Nachfahren so oft wie optische und genetische Cousins des Homo sapiens sapiens?

Nein, es musste eine noch ältere Terraformingwelle gegeben haben. Und „Allein“ musste das nun endlich mal klären! Also wieder her mit dem Ganzen und noch mal von vorn sortieren …
4.2.16 12:20


Wie ein Buch entsteht: Protokoll zu „Allein“, Eintrag 8

Die Zeit verging. Ein neues Romanprojekt reifte heran und dann ein weiteres. Und dieses roch förmlich nach „das wird richtig gut!“. Die Arbeit daran stockte allerdings: Zu viel Stress nebenbei, ein Loch im Plot, für das sich einfach keine Füllung fand, ein zu wenig frischer Schreibstil …

Ich legte eine Romanpause ein. Ein paar SF-Storys entstanden, die meisten konnte ich als Einzeltexte im Forum (Leselupe.de) vorstellen. Aber nicht alle – zum Teil waren sie ohne die Einbettung zu schwer verständlich, zum Teil war ihre Relevanz ohne Einbettung nicht erkennbar.

Also begann ist, sie zusammenzutragen und ihnen eine Fassung zu geben. „Tote Helden“ entstand. Diese Collage erzählt die Geschichte der Ines Braun, und war damit ideal, um das Problem, dass ich mit ihr in „Allein“ hatte, zu lösen. In „Tote Helden“ ist die Quintessenz dieser Lösung ins Schluss-Kapitel eingeflossen. Dazu sind die für die Zwei-Bücher-Lösung entfernten Ankerpunkte wiederbelebt worden, die Ri’Dea-Story ist wegen „führt hier zu weit“ gestrichen und nicht nur die Sprache passt nun wieder ganz zu Ines Braun.

Parallel zu all dem hatte ich die Geschichte, mit der „Allein“ einst begonnen hatte, als Einzelstory veröffentlicht, so dass also die beiden wichtigsten Elemente „erledigt“ waren – das Roman-Projekt „Allein“ war damit eigentlich gestorben.

Wie gesagt: Eigentlich war es gestorben. Aber irgendwas daran bohrte weiter und gab keine Ruhe. Und das war nicht nur der Wunsch, den Schluss von „Am Ende des Regens“ tatsächlich mit Brauns Welt zu verknüpfen.
29.1.16 10:00


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